Besuch im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Unvorstellbar. Man kann es kaum in Worte fassen, wie grausam und bedrückend es ist, sich alles anzusehen. Allein der Gedanke, an einem Ort zu sein, an dem Leid und Hass regierten, ist schrecklich. Mit dem Gewissen, dass es bedrückend sein wird, fährt man hin. Die Absprache unter den Freundinnen, zusammen zu weinen, weil man ja so emotional ist, ist am Ende ein Scheiß wert. Du siehst anfangs nur ein paar Wege, kannst dir nicht vorstellen, was hier passiert sein könnte. Dann gehst du durch ein Tor. Ein Tor, bei dem dir gesagt wird, dass es dahinter kein zivilisiertes Leben mehr gab. Alles, was du je über Menschen gedacht hast, kannst du vergessen. Misanthropie ist kein Wunder. Ein Bunker mit Zellen, in denen nichts weiter ist, als ein ,,Bett'', das man ausklappen kann. In solch einer Zelle wird man verrückt. Kaum Platz. Dir wird erzählt, wie die Menschen dort gequält wurden. Du kommst geschockt und fassungslos aus dem Haus, und du wirst gefragt, was los sei und ob dir schlecht wäre, weil du so aussahst, als ginge es dir nicht gut. Ehm, entschuldige, aber wo habt ihr bitte euer Gehirn? Habt ihr keine Gefühle? Ich war geschockt über die Gelassenheit und Unantastbarkeit. Dabei war das noch nicht das schlimmste. Das stand nämlich noch bevor. Das Krematorium. Du gehst schon bedrückt in dieses Haus hinein. Doch was dich dort erwartet, ist unbeschreiblich. An einem Ort, an dem 56.000 Menschen allein ''nur'' ermordet wurden, bist du sprachlos. Dieses Gefühl. Es ist schwer, Worte dafür zu finden. Man kann es kaum beschreiben. Schock, Hass, Mitleid, Respekt. Undzwar vor den Menschen, die bis zum Schluss durchgehalten haben. Der Schluss. Der da wäre, sich an ein Maßband zu stellen, angeblich vermessen zu werden, doch dabei wartet hinter der Wand ein verständnisloser Mann, der eine Klappe in der Wand öffnet, und ein Leben nach dem anderen erlöscht. Ich stand für ca. 2 Sekunden in dem kleinen, etwa 1m²-großen Raum hinter der Wand. Danach bin ich sofort mit Tränen in den Augen rausgerannt. Es ging nicht.Es ging einfach nicht. Neben mir, ein Klassenkamerad, der Witze reißt. Ich kann so etwas nicht verstehen. Es ist unbegreiflich. Wie kann man nur?
Ab dem Leichenkeller, mit Haken, an denen Menschen einfach wie Tiere aufgehangen wurden, ging gar nichts mehr. Heulend stehe ich dort draußen, in der Hitze. Aber sie berührt mich nicht. Ich hab sie gar nicht bemerkt, sie machte mir nichts aus.
,,Alex, was ist denn los? Ist irgendwas passiert? D´Sag doch was ist! Mir kannst du's doch erzählen!''
Ich konnte nicht antworten. Es ging nicht. Ich habe kein Wort herausbekommen. Wie kann man nur so Gefühlskalt sein? Ist es denn so seltsam, dass man an so einem Ort in Tränen ausbricht?
Anscheinend schon, denn ich war die einzige.
Es ist irgendwie grausam, wie wenig Mitgefühl ein Mensch haben kann. Insbesondere an einem Solchen Ort, der überhaupt erst wegen dem fehlenden MItgefühl entstand.
AntwortenLöschenDeine Gefühle sind absolut ok. Das ging schon ganz vielen vor dir so.
AntwortenLöschenDas Problem der Gefühlskälte ist eben leider so
eine Sache. Im Prinzip bin ich gegen solche
Klassenfahrten zu solch ernsten Orten
der Zeitgeschichte.
Nun ja, die Gefühlskälte bauen sich einige Menschen als Mauer auf. Als Schutzmauer um nicht sofort zusammenzubrechen. Klassenfahrten zu solchen Orten sind wichtig, bieten Sie jungen Menschen doch die harte körperliche und seelische Erfahrung und Platz für Diskussionen. So wird alles, was im Geschichtsunterricht so weit weg ist, auf einmal erlebbare Geschichte.
AntwortenLöschenMach dir keinen Kopf. Weinen ist vollkommen okay. Nicht zu weinen aber auch. Deine Klassenkameraden sind nicht einfach schlechtere Menschen weil es ihnen augenscheinlich nicht so nahe gegangen ist.
Ich war ebenfalls im KZ, am gleichen Tag, allerdings nicht im Selbem. Mir ging es ähnlich. Ich war total schockiert, war total berührt.
AntwortenLöschenDer Operationssaal, indem mit Menschen experimentiert wurden, die Hinrichtungskamern, die Verbrennungsöfen, und auch die Gasduschen... ich war den Tränen nahe. Man steht einfach dort. An einem Ort, an dem tausende Menschen starben, einfach so. Auch ich konnte die Reaktion vieler nicht nachvollziehen, die lachten und Witze rissen.
Man bekommt alles so hautnah mit, die Angst und die Verzweiflung, die dort früher geherrscht haben muss...